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Zuviel Wissen, zu wenig Bildung? Probleme der Allgemeinbildung im digitalen Zeitalter*

27. Januar 2023 | 20:00 - 22:15

Kostenlos

Eine entscheidende – und im Übrigen sehr alte – Frage beim Nachdenken über Bildung berührt die Unterscheidung von „Wissen“ und „Bildung“. Die heute vielfach beschworene „Wissensexplosion“ führt dazu, dass Wissen oft schnell veraltet. Der soziale und kulturelle Wandel beschleunigt sich, aber auch Warenumlauf und Produktionszyklen werden immer kürzer; wir sprechen von Auto- oder „Computergenerationen“, die sich viel schneller ablösen als Menschengenerationen. Doch werde deswegen kein Kind und kein Jugendlicher schneller erwachsen, so Leo O’Donovan, einst Rektor der Georgetown-University, Washington D.C.

Aber was „veraltet“ hier wirklich? Gewiss „verfällt“ Wissen aus Tweets auf Facebook, Twitter oder Instagram, aus Fahrplänen oder Charts ziemlich rasch. Aber wie schnell veralten das kleine Einmaleins, das Periodensystem der Elemente, kulturelle und historische Wissensbestände, Kunstverständigkeit, musische Fähigkeiten? Basiswissen oder -können dieser Art verfällt kaum; und selbst wenn, bliebe aus seinem Abstraktionsgehalt und seiner methodischen Qualität das erhalten, was das Neu- oder Umlernen möglich und erlernbar macht.

Es hat den Anschein, als würden in der vielbeschworenen „Wissensgesellschaft“ immer mehr Menschen immer weniger wissen. Aber weiterhin wird Wissen als Voraussetzung für die Verständigung auf gemeinsame Ziele, für die Sicherung von Fortschritt und für die Stärkung der sozialen Position und Handlungsfähigkeit des einzelnen angesehen. Der italienische Dominikanermönch und Philosoph Thomas von Aquino erklärt es schon vor fast 800 Jahren recht prägnant: „Wissen ist Erkenntnis aus Sinneserfahrung und Verstandeseinsicht“.

Doch kann man viel wissen, ohne gebildet zu sein, und gebildet sein, ohne unbedingt besonders „viel“ zu wissen. Wird “Wissen” mit “Informa­tion” gleichgesetzt, so lässt es sich quantifizieren. Bildung dagegen bedeutet, Wissen zu qualifizieren. Kommt es auf die Qualität von Wissen an, auf seine Nachhaltigkeit und methodische Herleitung, dann muss schon im Kindesalter viel kontinuierlicher und nachhaltiger auf den Erwerb fundamentalen Grundwissens und entsprechender Fähigkeiten gesetzt werden. Am wichtigsten scheint es zu sein, das Lernen selbst zu lernen. Nur so kann es gelingen, sich in den Wissensfluten des Internets zu orientieren und in der Lage zu sein, Wissen je nach Anforderungslage eigenständig und kritisch zu generieren, also die entsprechenden Wege (zur Erkenntnis und Entscheidung) selbständig zu beschreiten – und das ein Leben lang. Dann können wir auch im Computerzeitalter weiter auf „Bildung“ vertrauen.

Leitung: Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz
Vorlesung: 3 UE, Präsenzveranstaltung mit Onlineübertragung (Zoom), TP/AP, T

öffentliche Veranstaltung

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Meeting-ID: 892 9171 9047
Kenncode: ef84SD

Präsenzteilnahme

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buchbar ab 26.09.2022

8 Teilnehmer
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buchbar ab 26.09.2022

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Details

Datum:
27. Januar 2023
Zeit:
20:00 - 22:15
Eintritt:
Kostenlos
Veranstaltungskategorie:

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