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Globalisierung, Entsolidarisierung, Individualismus, Freiheit und Narzissmus

25. November 2022 | 20:00 - 22:15

Kostenlos

Der Vortrag bemüht sich, die veränderten gesellschaftspolitischen Verhältnisse und ihre Auswirkungen aus der Perspektive einer sich rapide verändernden Welt näher zu betrachten. Die beschleunigten gesellschaftlichen Prozesse in den westlichen Demokratien führen zu großen Verunsicherungen und absurden Entwicklungen in unseren modernen Gesellschaften. Demokratische Staaten geben ihre Macht und Zuständigkeiten zusehends an supranationale Behörden, internationale Verbände, Wirtschaftsorganisationen und internationale Großkonzerne ab, so dass das Problem binnenstaatlicher Einflussmöglichkeiten (Staat, Politiker, Bevölkerung) und damit die Frage nach der weiteren Existenz demokratischer Staaten verstärkt in den Vordergund rückt.

Die Verunsicherung der Bevölkerungen, zusätzlich befeuert von neuen digitalen Medien und damit einhergehendem neuen Meinungswirrwarr, trägt das ihre bei zur Chaotisierung und weiteren Verunsicherung. Das psychische Krankheitsspektrum hat sich in der Moderne vollständig gewandelt. Wo früher neurotische Störungsbilder vorherrschten, haben nun strukturelle Störungen ihren Platz eingenommen. Identitätsstörungen sind an ihre Stelle getreten, was auf mangelhafte Ich- und Selbstentwicklungen verweist. Es ist davon auszugehen, dass die gesellschaftliche Unübersichtlichkeit, die Auflösung hergebrachter familiärer Zusammenhalte, die ins Unermessliche steigenden Leistungsanforderungen bei gleichzeitig zunehmender sozialer Unsicherheit und materiellem, konsumorientiertem Denken anstelle von Mitmenschlichkeit und Solidarität, Vereinzelung und Entsolidarisierung weiter fördern wird. Diese Entwicklung führt zu einer weiteren gesellschaftlichen Polarisierung, bei der die soziale Schere immer weiter auseinander klaffen wird. Einem immer wohlhabenderen Pol – immer mehr materialistisch, weniger solidarisch und immer narzisstischer orientiert – steht ein immer prekärerer Pol gegenüber, bei dem Haltlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und psychosoziale Not zunehmen werden, was sich in vielfältigen Formen auswirken wird: Strukturmangel, Bildungsarmut, Substanzabhängigkeit, Gewaltzunahme, Chancenlosigkeit, Radikalisierung oder Resignation.

Die Gefahr besteht, dass sich die gesellschaftlichen Polarisierungen zersetzend auf die demokratischen Gemeinwesen auswirken werden. Psychoanalytiker*innen haben die Aufgabe, sich in der öffentlichen Debatte entschieden lauter und häufiger zu Wort zu melden, um politische Instanzen, Medien und die Bevölkerung mit psychisch- und gesellschaftsdynamischen Entwicklungen und Zusammenhängen vertraut zu machen, ganz wie es Freud mit seiner Lehre beabsichtigte.

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Volker Tschuschke
Vortrag: Präsenzveranstaltung mit Zoomübertragung, 3UE, TP/AP/Ä, T

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https://us06web.zoom.us/j/85087640667?pwd=UTVTbDhCZFJTb3JLRSt3QUpVK1Uxdz09

Meeting-ID: 850 8764 0667
Kenncode: 53pt7R

Details

Datum:
25. November 2022
Zeit:
20:00 - 22:15
Eintritt:
Kostenlos
Veranstaltungskategorie:

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